Schloss Oberwerries

Wo Adel, Jagd und Pferde zu Hause waren

Die „gute Stube“ der Stadt Hamm

Schloss Oberwerries gilt als ein Paradebeispiel für die gelungene Restaurierung eines Barockschlosses in Westfalen. Die Stadt Hamm hat – wenn auch spät – den historischen und kulturellen Wert des Bauwerks erkannt und es damit der Nachwelt erhalten. Leider war das nicht immer so: Viel historische Bausubstanz wurde nicht durch Kriege, sondern durch Gleichgültigkeit und mangelndes Bewusstsein zerstört.
Ein trauriges Beispiel ist die Schlossmühle Heessen aus dem Jahr 1546 – eines der ältesten profanen Gebäude Westfalens – das heute dem Verfall überlassen ist.

Adel und Alltag: Ein Blick in vergangene Welten

Das Leben der Adelsfamilien, wie etwa der von Beverfördes auf Oberwerries oder der von Boeselagers auf Heessen, lässt sich dank zahlreicher Überlieferungen gut nachvollziehen. Urkunden, Gemälde und Erzählungen zeichnen ein lebendiges Bild dieser Epoche.
Ganz anders verhält es sich mit dem einfachen Volk, aus dem wir größtenteils stammen – ihre Geschichten sind weit weniger dokumentiert. Dennoch fasziniert uns bis heute das Leben des Adels. Wir besuchen Schlösser, bestaunen prunkvolle Kirchen und Opernhäuser und können dabei kaum fassen, welch glanzvolles Leben diese wenigen Menschen führten – während unsere Vorfahren unter harter Arbeit und Unterdrückung litten.

Der „Tolle Werries“ – Eine schillernde Figur mit Ecken und Kanten

Eine besonders farbenfrohe Gestalt war Friedrich Christian von Beverförde, geboren 1702 auf Schloss Oberwerries. Benannt nach seinem Taufpaten, dem Bischof von Münster, schien ihm eine große Zukunft beschieden – doch das Leben meinte es anders.

Mit nur vier Jahren wurde er Vollwaise und wuchs bei Verwandten auf. Zwar sicherten ihm familiäre Beziehungen eine erste Karriere als Kammerherr des Fürstbischofs Clemens August von Bayern, doch durch unbedachtes Verhalten verbaute er sich viele Chancen.

Skandale und Späße – Der junge Adelige fällt auf

Berüchtigt wurde Friedrich Christian durch seine Späße, die nicht immer harmlos waren. Ein bekanntes Beispiel: Während eines Besuchs einer heiratswilligen Adelsfamilie aus dem Rheinland ließ er demonstrativ einen Ziegenkopf auf die Kaffeetafel werfen – ein eindeutiger Hinweis, dass kein Interesse an der Braut bestand. Die Gäste flohen entsetzt.

Ein anderes Mal ließ er die Frau eines ehemaligen Bauerns, der es zum reichen Kaufmann gebracht hatte, durch seine Diener im Garten erniedrigen – ein Zeichen der Verachtung gegenüber dem aufstrebenden Bürgertum. Dieser Zwischenfall lässt bereits den gesellschaftlichen Wandel erahnen: Der einst unangreifbare Adel beginnt zu wanken.

Quelle: Wikipedia

Liebe, Jagd und Pferde: Ein adeliges Leben voller Widersprüche

Mit 41 Jahren heiratet Friedrich Christian Anna Angela Antonette von Ascheberg. Doch die Ehe ist kurzlebig: Schon nach sieben Monaten führen beide getrennte Haushalte.

Stattdessen widmet sich der Schlossherr seinen Leidenschaften – vor allem der Jagd und der Pferdezucht. Wie sein Fürstbischof Clemens August ist auch er ein begeisterter Jäger. Die Jagd war damals ein Vorrecht des Adels, während das einfache Volk hungerte und trotzdem nicht jagen durfte.

Pferdezucht mit Stil – Der Marstall von Schlaun

Nach einem Reitunfall konzentriert sich Friedrich Christian ganz auf die Zucht edler Pferde. Der berühmte westfälische Baumeister Johann Conrad Schlaun entwirft für ihn einen Marstall und einen Hundezwinger – heute bekannt als die „Turnerburg“, ein Ort für Begegnungen des Westfälischen Turnerbundes.

Zeitgenössische Zeitungsannoncen belegen den Umfang seiner Zucht: Bis zu 30 Pferde standen in seinem Stall – von allen möglichen Farben und bestens zugeritten.

Adel verpflichtet – Und lebt für die Jagd

Die Jagd war nicht nur ein Hobby, sondern ein Zeichen von Macht und Status. Beverförde hielt sich eine eigene Meute Jagdhunde, ebenfalls in einem Schlaun-Bau untergebracht. Selbst der Verlust eines Hundes wurde öffentlich gemacht – samt Finderlohn.

Ein Ende mit Nachklang

1768 stirbt Friedrich Christian von Beverförde und wird auf eigenen Wunsch in der Kirche St. Lambertus in Dolbergbeigesetzt. Sein Vetter Carl Friedrich von Elverfeldt, der auch sein Vermögen verwaltete, folgt ihm wenige Jahre später.

Die Familie Elverfeldt zieht 1785 in die Loburg bei Ostbevern, bleibt aber ihrem alten Namen treu: Beverförde-Werries. Schloss Oberwerries hingegen wird verlassen – nur der Förster bleibt im Torhaus wohnen.

Torhaus

Ein neuer Anfang – Die Loburg lebt weiter

1899 wird die Loburg durch einen Blitzschlag zerstört. Doch das Ehepaar Karl Max von Elverfeldt genannt Beverförde-Werries und Adelheid von Boeselager baut sie nach den alten Plänen wieder auf. 1951 wird das Schloss an das Bistum Münster vermietet und beherbergt fortan das Collegium Johanneum, ein Gymnasium mit Internat.

Heute lebt die Freifrau Ida von Beverförde im renovierten Torhaus des Hauses Byink in Davensberg – ein Anwesen, das seit 1698 im Besitz der Familie ist.

Schloss Oberwerries heute

Schloss Oberwerries wird heute vor allem als Veranstaltungsort genutzt. Es bietet Räume für kulturelle Events, private Feiern und Tagungen. Außerdem ist das Schloss von einem großen Park umgeben, der der Öffentlichkeit als Naherholungsgebiet offensteht. So bleibt Oberwerries ein wichtiger Teil der Heessener Geschichte und Gemeinschaft.