Zwischen Sauerland und Rotterdam, Riga und Hamburg waren sie unterwegs: die sogenannten Kiepenkerle – wandernde Händler, die besonders zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert im gesamten niederdeutschen Sprachraum eine wichtige Rolle spielten. Sie trugen ihre Waren in einer „Kiepe“ – einem großen Rückenkorb – über weite Strecken und versorgten die ländliche Bevölkerung mit Dingen des täglichen Bedarfs: Nähnadeln, Seife, Gewürze, Stoffe, aber auch Neuigkeiten aus der Stadt.

Je nach Region trugen sie verschiedene Namen:
Im Münsterland nannte man sie „Kiepker“,
in den Niederlanden „Kiepkerel“,
im hohen Norden „Kiepkeerl“,
und nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden sie auch als „Tödden“ bekannt.
Der Begriff „Kiepenkerl“ setzt sich aus Kiepe (Rückentrage) und Kerl (Mann) zusammen. Das niederdeutsche Verb „tödden“ bedeutet wörtlich „schwer bepackt daherziehen“. Andere Herleitungen deuten auf das flämische Wort für „Tauschen oder Handeln“ hin.
Jann Dümmelkamp, zeitweise auch Dümpelkamp genannt, war um das Jahr 1780 der wohl bekannteste wandernde Kaufhändler des Kirchspiels Heessen. Er gilt als Urtyp des Kiepenkerls – ein kräftiger, humorvoller Mann mit einem ausgeprägten Sinn für Schlagfertigkeit, Klugheit und gelegentlich auch für die Freuden des Alkohols. Seine Persönlichkeit und seine Auftritte machten ihn im ganzen Münsterland bekannt.
Besonders eng verbunden war Jann mit dem Minoritenkloster, das einst an der Nordseite der heutigen Apostelkirche in Hamm stand. Das Kloster, das 1804 im Zuge der Säkularisation an Preußen fiel und 1811 unter Napoleon endgültig aufgelöst wurde, diente ihm regelmäßig als Unterkunft auf seinen Reisen. 1858 wurde es abgebrochen – doch seine Geschichten leben weiter.
Viele seiner Erlebnisse wurden in humorvollen „Döhnekes“ (Anekdoten) und Gedichten überliefert – in hochdeutscherwie plattdeutscher Sprache. Autoren wie Augustin Wibbelt trugen dazu bei, das Bild Janns in romantischer und oft glorifizierender Weise zu bewahren.
Doch die Realität sah oft anders aus: Historische Forschungen zeigen, dass das Leben der Kiepenkerle – und ihrer Familien – von harter körperlicher Arbeit, Entbehrungen und Armut geprägt war. Ihre weiten Wege zu Fuß, die schweren Kiepen auf dem Rücken und der ständige Kampf ums tägliche Brot erzählen von einem Leben voller Kraftanstrengung und Durchhaltevermögen.