Als die Gemeinde Heessen im Jahr 1930 den Dasbecker Friedhof anlegte, erhielt auch der Freidenkerverband einen eigenen Begräbnisplatz. Dieser lag abseits – in der hintersten Ecke, mit einem separaten Zugang. Denn Freidenker, die sich bewusst vom christlichen Glauben abgewandt hatten, durften nicht auf christlichen Friedhöfen beigesetzt werden. Noch heute sind dort Urnengräber aus den 1930er Jahren zu sehen, ebenso das Denkmal des Freidenkerverbandes. Sie erinnern an eine damals radikale Haltung: den Bruch mit kirchlichen Traditionen und das Streben nach einer weltlich-rationalen Gesellschaft.
Die Freidenkerbewegung entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie vereinte Menschen, die sich einer rationalen, wissenschaftlich begründeten Weltanschauung verpflichtet fühlten. Sie wandten sich bewusst von der Kirche und ihren Lehren ab. Stattdessen setzten sie sich für Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung ein.
Nach dem Ersten Weltkrieg wuchs der Zulauf stark an. Viele Menschen hatten in den Schützengräben ihren Glauben verloren. Zudem machten sie die Kirchen mitverantwortlich für das Leid des Krieges. Sie warfen ihnen vor, autoritäres Denken gestützt, Freiheit verhindert und mit den Besitzenden paktiert zu haben.
Auch in Heessen gründete sich ein aktiver Freidenkerverband – besonders in der Sachsenkolonie. Die Mitglieder waren eng mit der Arbeiterbewegung verbunden. Sie verstanden sich nicht nur als Gegner religiöser Einflussnahme, sondern auch als Gestalter einer neuen Gesellschaft.
Ein zentrales Ziel war die Gründung weltlicher Schulen. Diese sollten ohne Religionsunterricht auskommen und den Fokus auf Naturwissenschaften und kritisches Denken legen. Unterstützung kam aus Hövel. Dort war bereits 1922 in der Radbodkolonie eine solche Schule entstanden. In Heessen nutzten die Freidenker eine Baracke neben der Josefschule. Dort fand der Unterricht statt – mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Physik und Biologie (damals: Naturlehre und Naturkunde). Die Kinder kamen fast ausschließlich aus Familien, die aus der Kirche ausgetreten waren. Amtlich wurden sie damals als „Dissidenten“ bezeichnet.
Anstelle kirchlicher Riten wie Firmung oder Konfirmation traten weltliche Feiern. Die Schulentlassung mit 14 Jahren war dabei besonders bedeutend. Sie markierte symbolisch den Eintritt in eine moderne, freie Gesellschaft. Traditionell erhielten die Jugendlichen das Buch Menschen der Zukunft von Julius Schaxel. Es vertrat ein sozialistisches Menschenbild – frei von religiöser Bevormundung, Dogmen, Tabus und Vorurteilen.