Die Fährstraßenbrücke

Das „Blaue Wunder“ von Heessen

Die Brücke, die heute Hamm und Heessen über Kanal und Lippe verbindet, wird liebevoll das „Blaue Wunder“ genannt – ganz ohne direkten Bezug zur Dresdner Elbbrücke. Sie ist kein technisches Weltwunder, aber für uns ein vertrautes Stück Heimat, verbunden mit Geschichten, Diskussionen und Wandel. Dabei ist sie nur das jüngste Kapitel in einer langen Geschichte der Verkehrsverbindung über die Lippe.


Alte Wege, neue Verbindungen

Schon lange bevor Hamm gegründet wurde – also vor dem Jahr 1226 – führte eine bedeutende Handelsstraße durch Heessen: von Soest nach Münster. Über sie gelangten Salz aus Werl, Bischöfe nach Rhynern, Pilger nach Köln und Aachen, Händler, Soldaten und selbst Aussätzige auf ihrem Weg durch das Land. Die Straße war so wichtig, dass auf beiden Seiten der Lippe Burgen Schutz boten – im Süden die der Grafen von der Mark, im Norden die Burg Heessen.

Eine erste Brücke – wohl aus Eichenstämmen gebaut, wie viele Bauwerke jener Zeit – trug den Namen Bosmarbrücke, benannt nach dem angrenzenden Flurstück. Später wurde sie jedoch Opfer von Natureinflüssen und Vernachlässigung.


Vom Brückeneinsturz zur Fährverbindung

Um 1800 machten extreme Winter der Bosmarbrücke zu schaffen. 1799 riss Eistreiben die Brücke endgültig ein. Eine neue Brücke wurde nie gebaut – sie war durch den Ausbau der Münsterstraße ohnehin an Bedeutung verloren. Stattdessen richteten die Heessener eine Fähre ein, betrieben u. a. vom Hammer Stadtförster Droste und später Wilhelm Bauhaus, dem letzten Fährmann von Heessen.

Die Fähre war für Schüler, Spaziergänger und besonders während der Heessener Kirmes ein unentbehrlicher Übergang. Bei großem Andrang entstand sogar eine provisorische Pontonbrücke. Die Preise: 2 Pfennig pro Person, 10 Pfennig für Pferdefuhrwerke – lohnend, wie ein Kirmesumsatz von 1.200 Mark zeigte.