Max von Boeselager, ehem. Ehrenamtmann von Heessen (1857–1863), wanderte 1881 nach England aus – aus Protest gegen Bismarcks Kulturkampf gegen die katholische Kirche. Seine Auswanderung war ein Affront gegen das Kaiserreich.
Sein Sohn Dietrich von Boeselager trat 1899 das Erbe an und leitete ab 1905 den Schlossumbau gemeinsam mit Alexandra von Vittinghoff-Schell. Mit Architekt Alfred Hensen und dem Freund des Hauses Freiherr von Kerckering zu Borg entstand das heutige Schloss in neugotischer und Neorenaissance-Gestaltung.

Schloss Heessen im Schnee
Umgestaltung mit typischen westfälischen Treppengiebeln, Maßwerk, Fialen und Renaissance-Elementen.
Den Himmel, nicht den Geist, verändern die, die über das Meer reisen.
Eine feine Kritik an Max von Boeselager?

Wassermühle Heessen
Frühe Hinweise auf Mühlenbetrieb
Die Nutzung der Wasserkraft hat in Heessen eine lange Tradition. Bereits 975 erwähnt eine Kaiserurkunde Mühlen im Zusammenhang mit dem Haus Heessen – eine frühe Wassermühle ist daher sehr wahrscheinlich. Um 1300 wird erstmals konkret eine „mola“ (lateinisch für Wassermühle) an der Lippe erwähnt, was die Bedeutung solcher Anlagen für die lokale Versorgung unterstreicht.
Erste belegte Mühle an der Lippe
1382 ist dann auch eine Ölmühle nachweisbar, zu der eigens eine Schleuse errichtet wurde. In einer Quelle heißt es: „… zum Lohne für die Holzschneider und die Zimmerleute, die die Schleuse bei der Ölmühle gemacht haben.“ Die Mühlenrechte lagen beim Haus Heessen, was bedeutete, dass alle Bauern aus der Umgebung dort ihr Korn mahlen lassen mussten.
Mühlenrecht und Rolle der Müller
Müller nahmen in der damaligen Gesellschaft eine besondere Rolle ein: Sie lebten oft etwas abseits, galten als wetterkundig und unabhängig – und wurden deshalb auch mit einer gewissen Skepsis oder sogar Misstrauen betrachtet. Ihre Arbeit war jedoch essenziell für die lokale Wirtschaft und Ernährung.
Kapelle (erbaut 1909–1910)
Gestaltet im englischen „decorated style“ des 14. Jh., mit Fächergewölbe wie in Gloucester und Chorschranke nach dem Vorbild von Southwell. Die Empore zeigt die Wappen der Familien Boeselager (Schaufeln) und Vittinghoff-Schell (Münzen). Figuren, etwa Hl. Ida oder Klara, stammen wohl aus der Zeit als Altersheim. Stuckdecken möglicherweise aus dem 18. Jh., im Stil des Pictorius. Der Innenausbau erfolgte im edwardianischen Stil (Architekt: Sidney Tugwell, Bournemouth). Die Kapelle war stets in Gebrauch, z. B. im Krieg als Gotteshaus für die zerstörte Stephanuskirche.
Schloss Heessen ist heute ein privates Gymnasium mit Internat, das seit 1957 besteht. Etwa ein Drittel der Schüler wohnt direkt auf dem Schlossgelände, das aus historischen Gebäuden und einem großen Park besteht. Die Schule bietet neben dem deutschen Abitur auch internationale Abschlüsse und legt Wert auf individuelle Förderung. Außerdem wird das Schloss für kulturelle Veranstaltungen genutzt und ist ein lebendiger Teil der Heessener Gemeinschaft.